200.000 Tokens gegen 1,2 Millionen.
Für überraschend ähnliche Ergebnisse.
Das ist das Resultat eines praktischen Vergleichs von Chase Levin in seinem Video "GSD vs Superpowers vs Claude Code".
Schwere Orchestrierungs-Layer gegen das leichteste Baseline-Setup.
Für mich ist das Ergebnis interessant, aber nicht überraschend:
Das leichteste Setup war deutlich schneller, deutlich günstiger und qualitativ viel näher dran an den schwereren Varianten, als viele erwarten würden.
Über Spec Theater habe ich vor einer Weile geschrieben.
Dieses Muster, bei dem Teams auf schwache Agent-Ergebnisse mit mehr von allem reagieren:
mehr Specs, mehr Phasen, mehr Meta-Prompts, mehr Orchestrierung.
Die Annahme dahinter ist simpel:
mehr Struktur = bessere Ergebnisse
Ich glaube, diese Annahme kippt oft ins Gegenteil.
Denn Struktur hat einen Preis:
- Zeit
- Tokens
- Aufmerksamkeit
- langsamere Feedback-Loops
Und wenn diese Struktur ihren Wert nicht klar einspielt, hört sie auf, Systemdesign zu sein, und wird zu Theater.
Das passt zu etwas, worauf Anthropic seit Monaten hinweist:
Wenn Kunden schlechte Ergebnisse mit Agents haben, liegt das Problem oft nicht an zu wenig Steuerung, sondern an zu viel.
Zu viele Anweisungen.
Zu viele Constraints.
Zu viel Vor-Einhegen.
An dem Punkt bekommt der Agent keine bessere Orientierung mehr.
Er bekommt weniger Raum, das Problem zu lösen.
Und das führt für mich zu einem wichtigeren Punkt:
KI entscheidet nicht. Sie öffnet den Raum.
Das ist nicht nur Intuition. Das deckt sich mit dem, was wir in der Praxis und in der Forschung zu Suchräumen, Constraints und LLM-Verhalten sehen:
zu viele Constraints helfen nicht automatisch. Irgendwann reduzieren sie nur noch den Raum, in dem das System überhaupt noch sinnvoll arbeiten kann.
Der Schlüssel ist nicht, jede Entscheidung vorab mit mehr Spezifikation zu erdrosseln.
Der Schlüssel ist, dass ich als Mensch schnell und wirksam iterieren kann:
- Steuerung schnell reflektiert sehen
- Outputs schnell validieren
- Annahmen schnell korrigieren
- Richtung schnell nachziehen
Nicht maximale Vorab-Kontrolle.
Sondern schnelles, hochwertiges Feedback.
Deshalb ist für mich die eigentliche Design-Frage nicht:
Wie bauen wir mehr Orchestrierung ein?
Sondern:
Wie bauen wir Systeme, die Struktur erst dann hochziehen, wenn Komplexität, Risiko oder Unklarheit es wirklich rechtfertigen?
Genau in die Richtung designe ich jetzt.
Adaptive Systeme statt permanenter Struktur.
Mehr dazu bald.
Wo seht ihr bei euch gerade am meisten Orchestrierungs-Overhead, der seinen Preis nicht mehr einspielt?
Sebastian Breitzke •
Adaptive Systems, Not Spec Theater
#AI#AgentSystems#ProductDesign#DeveloperExperience